
Die Marken, die Sie kennen, gibt es in Japan meist nicht — die Wirkstoffe dahinter schon. Paracetamol (in manchen Ländern Acetaminophen genannt, der Wirkstoff in Tylenol) und Ibuprofen werden in japanischen Drogerien rezeptfrei unter japanischen Markennamen verkauft.
Der Kniff besteht also nicht darin, ein ausländisches Produkt zu finden. Er besteht darin, zu wissen, welchen Wirkstoff Sie eigentlich wollen, und danach zu fragen. Dieser Leitfaden erklärt, wie das geht — und wo rezeptfrei aufhört zu genügen.
Kaufen Sie nach Wirkstoff, nicht nach Marke
Japanische Packungen nennen die Wirkstoffe, in der Regel auf Japanisch. Am praktischsten ist es, den Wirkstoffnamen auf dem Handy bereitzuhalten — auf Deutsch oder Englisch und, wenn möglich, auf Japanisch — und ihn der Apothekerin zu zeigen, statt selbst die Regale abzusuchen.
| Was Sie zu Hause nehmen würden | Der Wirkstoff, nach dem Sie fragen |
|---|---|
| Ben-u-ron, Thomapyrin, Tylenol | Paracetamol (Acetaminophen) — アセトアミノフェン |
| Nurofen, Advil, Ibuprofen-Präparate | Ibuprofen — イブプロフェン |
| Antihistaminikum gegen Allergie oder Nesselsucht | Ein orales Antihistaminikum — 抗ヒスタミン薬 |
| Antazidum oder Tablette gegen Sodbrennen | Ein Antazidum — 制酸薬 |
| Elektrolytgetränk | Orale Rehydratationslösung — 経口補水液 |
Zwei Dinge sollten Sie im Kopf behalten. Japanische rezeptfreie Präparate sind oft niedriger dosiert als das Äquivalent in Ihrem Heimatland, die Dosierungsangabe auf der Packung entspricht also womöglich nicht dem, was Sie gewohnt sind. Und Kombipräparate gegen Erkältung sind hier verbreitet, wodurch man leicht denselben Wirkstoff doppelt nimmt — prüfen Sie das, wenn Sie ohnehin schon etwas einnehmen.
Was Sie nicht finden werden
Japan reguliert Arzneimittel anders als Deutschland, Österreich oder die Schweiz, und einige in ausländischen Erkältungs- und Allergiepräparaten übliche Inhaltsstoffe sind hier eingeschränkt oder nicht erhältlich. Gehen Sie davon aus, dass ein Produkt, auf das Sie zu Hause bauen, im japanischen Regal keine direkte Entsprechung hat, und rechnen Sie nicht damit, es nach der Landung nachzukaufen.
Das gilt in beide Richtungen: Die Regeln bestimmen auch, was Sie mitbringen dürfen. Wenn Sie regelmäßig etwas einnehmen, erklärt unser Leitfaden zur Fortführung Ihrer Dauermedikation in Japan, was Sie vor dem Abflug prüfen sollten.
Wo Sie kaufen
- Drogerien (ドラッグストア): die großen Ketten, die Sie in fast jeder Einkaufsstraße sehen, mit rezeptfreien Medikamenten neben Kosmetik und Snacks. Hier sollten die meisten Reisenden anfangen.
- Abgabeapotheken (薬局, yakkyoku): geben Rezepte ab und liegen meist neben einer Praxis oder einem Krankenhaus. Unser Leitfaden dazu, wie japanische Apotheken funktionieren, erklärt den Unterschied.
- Convenience Stores: nachts nützlich für Getränke, Rehydratationslösung und Grundlegendes, aber mit begrenztem Medikamentensortiment.
Manche Kategorien dürfen nur verkauft werden, wenn eine Apothekerin im Dienst ist — ein rund um die Uhr geöffneter Laden verkauft Ihnen um zwei Uhr nachts also nicht zwangsläufig alles. Wenn Ihnen das wichtig ist, kaufen Sie tagsüber.
Wann rezeptfrei nicht genügt
Drogeriemedikamente behandeln Symptome. Sie behandeln keine bakterielle Infektion, und sie helfen Ihnen nicht, wenn Ihre Beschwerden ein Rezept erfordern: Antibiotika etwa sind in Japan verschreibungspflichtig und unter keinen Umständen ohne Rezept erhältlich.
Wenn die Symptome schlimmer statt besser werden, wenn ein Fieber nicht sinkt, oder wenn Sie seit mehreren Tagen etwas nehmen, ohne dass sich etwas ändert, ist das der Moment für eine ärztliche Beurteilung und nicht für eine stärkere Packung. Eine Videosprechstunde mit einer in Japan zugelassenen Ärztin lässt sich von Ihrer Unterkunft aus führen — sie arbeitet auf Japanisch und Englisch, die automatische Verdolmetschung in Echtzeit lässt Sie auf Deutsch sprechen — und wenn ein Rezept angemessen ist, wird es Ihnen per E-Mail geschickt und an eine Apotheke in Ihrer Nähe gefaxt, oft schon nach etwa 30 Minuten abholbereit.
Eine japanische Medikamentenpackung lesen
Sie müssen kein Japanisch lesen können, um das Wesentliche zu erfassen. Der Wirkstoff steht unter 成分, die Dosierung unter 用法・用量, und das Zielalter ist meist vorn aufgedruckt. Die Kameraübersetzung Ihres Handys bringt Sie fast ans Ziel; den Rest erledigt die Apothekerin.
- 成分 (seibun): Inhaltsstoffe. Die wichtigste Zeile.
- 用法・用量 (yōhō yōryō): wie und wie viel einzunehmen ist.
- 第1類 / 第2類 / 第3類: die regulatorische Kategorie. Kategorie 1 darf nur im Beisein einer Apothekerin verkauft werden — deshalb schließen manche Theken früher als der Laden.
- かぜ薬 (kaze-gusuri): Erkältungsmittel; 解熱鎮痛: Fieber und Schmerzen; 胃腸薬: Magen und Darm; 目薬: Augentropfen.
Wenn Sie Dauermedikamente nehmen, zeigen Sie Ihre Liste der Apothekerin, bevor Sie etwas kaufen. Wechselwirkungen kümmert es nicht, dass das eine Präparat zu Hause verschrieben wurde und das andere hier aus dem Regal kam.
Was Sie besser mitbringen, statt es hier zu kaufen
Manches ist schlicht einfacher mitzubringen als zu finden. Alles, worauf Sie sich regelmäßig verlassen, alles für ein Kind, dessen Dosierung Sie kennen, und alles, was Sie unter Druck schwer beschreiben könnten, gehört in den Koffer und nicht auf eine Einkaufsliste am dritten Reisetag.
- Ihre Dauermedikation in der originalen, beschrifteten Verpackung, in ausreichender Menge für die Reise plus Reserve.
- Ausgeprägte Vorlieben bei Schmerzmitteln: die Zubereitung, von der Sie wissen, dass sie bei Ihnen wirkt.
- Rehydratationspulver, wenn Sie an eine bestimmte Marke gewöhnt sind — die japanischen Entsprechungen sind allerdings ausgezeichnet und überall erhältlich.
- Ein kleines Erste-Hilfe-Set: Pflaster, Desinfektionsmittel, Blasenpflaster. Japan ist ein Land zum Gehen, und Blasen sind die häufigste Reiseverletzung überhaupt.
Gibt es Tylenol in Japan?
Nicht unter diesem Namen, aber sein Wirkstoff — Paracetamol, auch Acetaminophen genannt — wird in japanischen Drogerien rezeptfrei unter japanischen Markennamen verkauft. Fragen Sie nach dem Wirkstoff.
Darf ich meine eigenen Medikamente nach Japan mitbringen?
In gewissen Grenzen, und für manche Arzneimittel ist vor dem Abflug ein Antrag nötig. Prüfen Sie die englischsprachigen Informationen des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales oder fragen Sie vor der Reise bei der japanischen Botschaft oder dem Konsulat in Ihrem Land nach.
Sprechen japanische Apothekerinnen Englisch?
Manche ja, vor allem in Touristengegenden und großen Ketten, aber verlassen sollten Sie sich nicht darauf. Den Wirkstoffnamen schriftlich zu zeigen funktioniert in jedem Fall.
Kann ich in Japan verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept kaufen?
Nein. Verschreibungspflichtige Medikamente erfordern ein Rezept einer in Japan zugelassenen Ärztin, das nach einer Online-Sprechstunde ausgestellt werden kann.
